Koffein im Pre‑Workout versteift die Arterien – Rote‑Bete‑Pulver wirkt dagegen
Kurzfassung: Eine neue randomisierte Crossover‑Studie hat gezeigt, dass eine pre‑workout‑typische Dosis Koffein (6 mg/kg) bereits nach 2,5 Stunden die Kennzahlen für arterielle Steifheit erhöht. Wird ein Rote‑Bete‑Pulver mit 400 mg Nitrat hinzugefügt, kehren diese Werte wieder auf das Placebo‑Niveau zurück. Blutdruck und endotheliale Funktion bleiben unverändert – es handelt sich also um einen subtilen Effekt, nicht um einen Alarm. Die Untersuchung umfasste nur 24 gesunde junge Erwachsene und eine Einzeldosis, sodass Fragen zur Langzeit‑ und Alters‑ bzw. Hypertonie‑Anwendung offen bleiben. Hier ein Überblick, was die Daten zeigen, was sie nicht beweisen und wie man das Ergebnis interpretieren kann, wenn man vor dem Training Koffein nimmt.
Wenn dein Pre‑Workout‑Ritual auf einer großzügigen Portion Koffein beruht, legt eine neue Crossover‑Studie nahe, dass deine Arterien das merken – selbst wenn dein Blutdruck unverändert bleibt. Derselben Untersuchung zufolge brachte ein nitratreiches Rote‑Bete‑Pulver, das gleichzeitig mit dem Koffein eingenommen wurde, die arterielle Veränderung wieder auf das Placebo‑Niveau.
Der Artikel, veröffentlicht in Food & Function 2026 von McLellan und Kolleg*innen, ist klein und von kurzer Dauer. Dennoch bietet er einen interessanten Blick darauf, wie zwei der beliebtesten Performance‑Boosts im Herz‑Kreislauf‑System interagieren.
Was die Forschenden gemacht haben
Vierundzwanzig gesunde Erwachsene (17 Männer, durchschnittliches Alter etwa 24 Jahre) absolvierten vier Versuche in einem randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Crossover‑Design. Jede Versuchsperson probierte jede Bedingung, wodurch die Vergleiche sauberer wurden als in Studien, die die Teilnehmenden in Gruppen aufteilten.
Die vier Bedingungen lauteten:
- PL: nitratreduziertes Rote‑Bete‑Pulver (92 mg Nitrat) ohne Koffein
- CAF: nitratreduziertes Rote‑Bete‑Pulver plus 6 mg/kg Koffein
- BR: nitratreiches Rote‑Bete‑Pulver (400 mg Nitrat) ohne Koffein
- BR‑CAF: nitratreiches Rote‑Bete‑Pulver plus 6 mg/kg Koffein
Für eine Person mit 80 kg Körpergewicht entspricht 6 mg/kg etwa 480 mg Koffein – das liegt am oberen Ende dessen, was viele Pre‑Workout‑Produkte liefern, und über dem, was die meisten Menschen aus einer einzigen Tasse Kaffee erhalten. Die Forschenden maßen den Brachial‑ und Zentralblutdruck sowie die arterielle Steifheit vor und 2,5 Stunden nach der Supplementierung. Die makrovaskuläre endotheliale Funktion wurde anschließend mittels Durchfluss‑mediierter Vasodilatation (FMD) beurteilt.
Das Hauptresultat: Koffein erhöht die Steifigkeitsmarker
Allein verabreichtes Koffein steigerte zwei Messgrößen der arteriellen Steifheit. Der Augmentationsdruck stieg um etwa 3 mm Hg gegenüber rund 1 mm Hg beim Placebo. Der Augmentationsindex nahm um circa 10 % zu, verglichen mit etwa 4 % beim Placebo und etwa 1 % bei nitratreichem Rote‑Bete‑Pulver allein. Die Unterschiede waren statistisch signifikant (p‑Werte zwischen 0,001 und 0,007).
Augmentationsdruck und -index geben an, wie stark reflektierte Druckwellen aus den peripheren Gefäßen zum Herzen zurückkehren. Steifere Arterien senden diese Wellen früher zurück, was die Arbeitsbelastung des Herzens erhöht. Höhere Werte gelten allgemein als ungünstig für die kardiovaskuläre Gesundheit.
Die Wende: Nitrat neutralisiert den Effekt
Wurde das 400‑mg‑Nitrat‑Rote‑Bete‑Pulver zusammen mit Koffein genommen, verschwand der Anstieg fast vollständig. Der Augmentationsdruck erhöhte sich nur um etwa 1 mm Hg und der Augmentationsindex um rund 3 %, was statistisch nicht von Placebo oder der Rote‑Bete‑Allein‑Bedingung zu unterscheiden war (p = 0,505–0,689).
Die Blutwerte entwickelten sich wie erwartet bei erhöhter Nitrat‑Zufuhr. Das Plasma‑Nitrit war in beiden nitratreichen Bedingungen höher als beim Placebo oder reinem Koffein. Nitrit ist ein Vorläufer von Stickstoffmonoxid, das die Gefäßwand entspannt. Interessanterweise unterschied sich das plasmatische cGMP, ein nachgeschalteter Signalmolekül, nicht zwischen den Bedingungen – die genaue Wirkungsweise bleibt also unklar.
Was sich nicht veränderte
Es ist wichtig, die Befunde nicht zu überinterpretieren. Mehrere Parameter blieben unverändert:
- Brachialer Blutdruck zeigte keine signifikante Veränderung durch Koffein oder Rote‑Bete.
- Zentraler Blutdruck blieb ebenfalls konstant.
- Durchfluss‑mediierte Dilatation (FMD), ein Maß für die makrovaskuläre endotheliale Funktion, zeigte keine Unterschiede.
Die Kernbotschaft lautet also: Koffein treibt den Blutdruck nicht in die Höhe und schädigt das Gefäßendothelium nicht. Der Effekt beschränkte sich auf Reflexions‑Marker der arteriellen Steifheit – ein subtileres Signal, dessen langfristige gesundheitliche Bedeutung aus einer Einzeldosis nicht abzuleiten ist.
Praktische Implikationen
- Nitrat‑Dosis: Das wirksame Rote‑Bete‑Pulver lieferte 400 mg Nitrat. Schau auf die Etiketten – Rote‑Bete‑Produkte variieren stark, und viele geben den Nitratanteil nicht an. Ohne Angabe bleibt es ein Schätzwert.
- Timing: Koffein und Nitrat wurden gemeinsam eingenommen, die Messungen erfolgten 2,5 Stunden später. Das entspricht ungefähr einem üblichen Pre‑Workout‑Fenster, doch andere Zeitpunkte oder das eigentliche Training wurden nicht untersucht.
- Wer sollte es beachten: Personen, die regelmäßig hohe Koffein‑Dosen vor dem Training nehmen – besonders wenn sie mehrere Stimulanz‑Produkte kombinieren – sind die offensichtliche Zielgruppe. Einmal ein Kaffee zu trinken liegt deutlich unter der hier untersuchten 6 mg/kg‑Dosis.
- Voraussichtlicher Ansatz: Nutzt du bereits Rote‑Bete‑ oder Nitrat‑Supplemente für die Ausdauer, könnte die Kombination mit deinem Koffein laut diesen Daten ein risikoarmes Vorgehen sein. Es ist jedoch kein Grund, die Koffein‑Dosis zu erhöhen.
Was wir noch nicht wissen
Die Einschränkungen sind beträchtlich:
- Eine Dosis, ein Test. Es lässt sich hieraus nichts über täglichen oder langfristigen Konsum ableiten.
- Nur gesunde junge Erwachsene. Ältere Menschen, Personen mit Hypertonie oder bereits bestehenden Gefäßerkrankungen könnten anders reagieren.
- Kein Trainingsanteil. Die Studie erfasste die Reaktion im Ruhezustand nach der Supplementierung, nicht während oder nach körperlicher Belastung.
- Kleine Stichprobe. Vierundzwanzig Teilnehmende, überwiegend männlich, schränken die Übertragbarkeit ein.
- Unklare Wirkungsweise. Das unveränderte cGMP lässt offen, über welchen genauen Pfad Nitrat wirkt.
- Klinische Relevanz. Ob ein vorübergehender Anstieg des Augmentationsindex tatsächlich ein signifikantes Risiko bedeutet, ist nicht bewiesen.
Fazit
Die randomisierte Crossover‑Studie legt nahe, dass eine hohe Pre‑Workout‑Koffein‑Dosis die arteriellen Steifheitsmarker akut ansteigen lässt und dass 400 mg diätetisches Nitrat aus Rote‑Bete‑Pulver diesen Anstieg wieder ausgleichen kann. Blutdruck und endotheliale Funktion blieben unbeeinflusst, sodass kein Grund zur Besorgnis besteht. Es handelt sich um ein frühes, mechanistisches Ergebnis, das eine plausibel ernährungsbasierte Möglichkeit aufzeigt, einen kardiovaskulären Nebeneffekt hoher Koffein‑Dosen abzumildern. Größere, längerfristige Studien in diverseren Populationen – idealerweise inklusive Training – sind nötig, bevor Rote‑Bete als schützender Schild betrachtet werden kann.