Dr. Gymbro
A bright, modern editorial flat-lay photographed from above on a soft off-white stone surface. At the center sits a matte ceramic scoop heaped with fine white creatine powder, with a loose dusting of powder fanning out across the surface. Beside it is a minimalist frosted-glass jar with a plain label and a brushed-steel shaker bottle lying on its side. To the left, a wooden comb and a small folded strip of graph paper with a single hand-drawn upward curve in muted terracotta ink, suggesting a data spike without any text. A few loose strands of dark brown hair curve elegantly across the stone near the comb. To the right, a clean glass beaker filled with water and a sprig of green rosemary, and an open notebook with blank pages and a sleek pen. The palette is warm neutrals: cream, sand, soft sage green, and a single accent of terracotta orange. Natural window light falls from the upper left, casting long, gentle shadows and a subtle diffused glow. The composition leaves generous negative space on the right third for title overlay. Shallow depth of field with crisp focus on the powder scoop, a premium health-and-science magazine look, minimalist, calm, and trendy, with fine grain and soft contrast. Landscape 16:9 framing.
Science & Research

Kreatin und Haarausfall: Der 56 % DHT‑Anstieg erklärt

Dr. Gymbro · · 4 min read

Die Zahlen hinter der Angst

Wenn Sie jemals "does creatine cause hair loss" in eine Suchmaschine eingegeben haben, sind Sie wahrscheinlich auf genau eine Studie gestoßen. 2009 berichteten Forscher eines südafrikanischen Rugby‑Instituts, dass das Dihydrotestosteron (DHT) 56 % nach einer siebentägigen Kreatin‑Ladephase mit 25 g/Tag gestiegen sei. Bei einer Erhaltungsdosis von 5 g/Tag lag DHT weiterhin ca. 40 % über dem Ausgangswert. Das Gesamt‑Testosteron blieb unverändert.

DHT ist das potentere Androgen, das aus Testosteron gebildet wird und das Hormon, das am engsten mit erblich bedingtem, männlichem Haarausfall verknüpft ist. Ein Supplement, das DHT in diesem Ausmaß erhöht, klingt also alarmierend. Was die Studie jedoch tatsächlich zeigte, ist eng gefasst – und die Lücke zwischen dieser Tatsache und den populären Internet‑Erzählungen ist entscheidend.

Was die Forscher tatsächlich getan haben

Das Paper von van der Merwe et al. im Clinical Journal of Sport Medicine war eine doppelblinde, placebokontrollierte Crossover‑Studie. Zwanzig College‑Rugbyspieler nahmen während ihrer Wettkampfsaison teil. Jeder Proband absolvierte beide Bedingungen, getrennt durch eine sechs‑wöchige Wash‑out‑Phase.

Kreatin‑Protokoll

  • Ladephase: 25 g Kreatin + 25 g Glukose pro Tag für 7 Tage
  • Erhaltungsphase: 5 g Kreatin + 25 g Glukose pro Tag für weitere 14 Tage
  • Placebo: 50 g Glukose am ersten Tag, danach 30 g Glukose pro Tag

Serum‑Testosteron und DHT wurden zu Beginn, am Tag 7 und am Tag 21 gemessen; zudem wurde die Körperzusammensetzung erfasst.

Die Ergebnisse waren klar: Testosteron blieb unverändert. DHT stieg nach der Ladephase um 56 % und blieb nach zwei Wochen Erhaltungsdosis um etwa 40 % erhöht (P < 0,001). Das DHT‑zu‑Testosteron‑Verhältnis erhöhte sich um 36 % nach der Ladephase und blieb um 22 % erhöht nach der Erhaltungsphase (P < 0,01). Die Autoren vermuteten, dass Kreatin die Umwandlung von Testosteron zu DHT verstärkt, und forderten weitere Langzeit‑Untersuchungen.

Was die Studie nicht gezeigt hat

Hier ein Punkt, der in Foren selten genannt wird: Niemand hat Haarausfall gemessen. Die Untersuchung richtete sich ausschließlich auf Blut‑Hormone und Körperzusammensetzung, nicht auf Haardichte, Haarverlust oder andere dermatologische Endpunkte. Der Schluss von „DHT ist hoch“ zu „Du wirst kahl“ ist also eine Spekulation, kein Befund.

Weitere offensichtliche Limitationen:

  • Kleine Stichprobe: Zwanzig junge männliche Athleten bilden eine bescheidene Gruppe.
  • Kurze Dauer: Drei Wochen geben kaum Aufschluss darüber, was über Monate oder Jahre geschehen könnte.
  • Spezifische Population: Es handelte sich um Rugby‑Spieler in einer intensiven Wettkampfsaison, mit damit verbundenem Trainingsstress und hormonellem „Rauschen“.
  • Nur zirkulierendes DHT: Serum‑Werte spiegeln nicht zwangsläufig die DHT‑Aktivität an der Kopfhaut wider, wo lokale Enzymaktivität und Follikel‑Sensitivität entscheidend sind.

Noch wichtiger: spätere Studien konnten den DHT‑Anstieg nicht konsequent reproduzieren. Einige Untersuchungen, die Kreatin und Androgene gleichzeitig betrachteten, fanden keinerlei signifikante Veränderungen des DHT‑Spiegels oder des DHT‑zu‑Testosteron‑Verhältnisses. Die 2009‑Studie bleibt das am häufigsten zitierte Beispiel, hat sich jedoch nicht zu gesicherten Wissenschaft erwiesen.

Warum DHT für Haare wichtig ist – und warum das nicht die ganze Geschichte ist

Der männliche, erblich bedingte Haarausfall beruht auf zwei Faktoren: zirkulierende Androgene und eine ererbte Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber DHT. Männer ohne diese genetische Prädisposition können normale oder sogar hohe DHT‑Spiegel haben und behalten ihr Haar. Männer mit Prädisposition können bereits bei völlig normalen Hormonwerten Haare verlieren.

Deshalb wirken Medikamente wie Finasterid, die das Enzym 5‑α‑Reduktase blockieren, bei vielen betroffenen Männern. Das erklärt auch, warum ein Anstieg des Serum‑DHT, selbst wenn er real ist, nicht automatisch zu Haarausfall bei allen führt. Das reale Risiko besteht vor allem für Personen, die bereits an der Schwelle stehen: Ein Mann mit starker Familiengeschichte von Kahlheit könnte theoretisch einen bereits laufenden Prozess beschleunigen, wenn sein DHT tatsächlich ansteigt. Dies bleibt jedoch eine Hypothese, die für Kreatin bislang nicht belegt ist.

Laden vs. Erhalten: Was das in der Praxis bedeutet

Die Studie nutzte den klassischen Ladeansatz: etwa 20‑25 g pro Tag für eine Woche, um die Muskeldepots rasch zu sättigen, gefolgt von 3‑5 g pro Tag zur Aufrechterhaltung. Der stärkste DHT‑Anstieg trat während der Ladephase auf, blieb aber auch bei der geringeren Erhaltungsdosis erhöht.

Eine Ladephase ist jedoch nicht zwingend erforderlich, damit Kreatin wirkt. Die tägliche Einnahme von 3‑5 g ohne vorheriges Laden führt nach drei‑ bis vier Wochen zu ähnlichen Muskel‑Kreatin‑Werten – nur langsamer.

Wer sollte das Ganze beachten

Für die meisten Kraftsportler gibt es wenig Grund zur Sorge. Einige wenige Gruppen könnten jedoch genauer nachdenken:

  • Männer mit starker Familiengeschichte von erblich bedingtem Haarausfall, besonders wenn bereits frühe Anzeichen von Ausdünnung sichtbar sind.
  • Personen, die bereits DHT‑blockierende Therapien (z. B. Finasterid) nutzen oder planen und die Einnahme von Kreatin mit ihrem Arzt besprechen wollen.
  • Vorsichtige Menschen, die eine Substanz mit unsicheren langfristigen Wirkungen lieber vermeiden.

Falls Sie zu einer dieser Gruppen gehören, können Sie praktische Maßnahmen ergreifen: Die Ladephase weglassen, die Dosis auf 3 g pro Tag beschränken oder Ihre Haarlinie regelmäßig beobachten. Sollten Sie Veränderungen bemerken, können Sie die Einnahme abbrechen und neu bewerten. Die gut belegten Vorteile von Kreatin für Kraft, fettfreie Masse und Trainingsleistung überwiegen für die meisten Personen die spekulativen Risiken – doch Männer mit genetischer Veranlagung haben einen legitimen Grund, einen konservativeren Ansatz zu wählen.

Das Fazit

Die Rugby‑Studie von 2009 ist ein echtes Ergebnis: Kreatin erhöhte den Serum‑DHT deutlich, während das Testosteron unverändert blieb. Gleichzeitig handelte es sich um eine kleine, kurze Untersuchung, die keinen Haarausfall gemessen hat, und spätere Arbeiten konnten den Effekt nicht zuverlässig reproduzieren. Die ehrliche Zusammenfassung lautet: Möglicher biologischer Mechanismus, jedoch kein belegter Zusammenhang mit Haarausfall. Für die meisten Menschen überwiegen die gut dokumentierten Vorteile von Kreatin die spekulativen Risiken, doch Männer mit entsprechender genetischer Prädisposition sollten – wenn überhaupt – eine vorsichtige Dosierung oder den Verzicht auf eine Ladephase in Erwägung ziehen.

Original study

Read the original research on pubmed.ncbi.nlm.nih.gov →

This article summarizes published research for general information. It is not medical advice.

DG

Written by

Dr. Gymbro

Dr. Gymbro writes for Dr. Gymbro: science-backed fitness, nutrition & performance.

Related Articles

A wide, cinematic landscape photograph of a freediver suspended mid-water in a calm, sunlit turquoise sea, shot from slightly below so the surface glimmers above like rippling silver glass. The diver wears a sleek matte black wetsuit and a long, elegant pair of carbon fins. Their body is streamlined, arms relaxed at their sides, head tilted slightly down in a state of serene focus. Shafts of soft golden sunlight pierce the water diagonally and illuminate fine floating particles and a trail of tiny bubbles rising from the diver's fins. A single thin dive line descends vertically into deeper blue at the right of the frame, adding a graphic compositional element.

In the lower left foreground, slightly out of focus, a minimalist still-life element rests on a pale sandy seabed: a small, clean white scoop with a mound of fine white powder, casually echoing creatine without any text or labels. The scoop is softly lit and has a shallow depth of field blur, creating a gentle visual link between supplement and sport.

The color palette is refined and modern: deep teal, aquamarine, soft cerulean, warm cream highlights, and touches of sunlit gold. The water gradients smoothly from bright, luminous turquoise near the top to a rich inky navy at the bottom, giving depth and a sense of quiet intensity. Leave generous negative space on the left third of the image for headline placement, with the diver positioned on the right third following the rule of thirds.

The mood is calm, athletic, and contemplative, like an editorial image from a premium health and science magazine. Style: high-end editorial photography, natural light, subtle film grain, soft contrast, crisp detail on the diver and gentle bokeh in the background. No text, no logos, no futuristic or sci-fi elements, no graphics overlays.
nutrition

Kreatin wirkt sogar ohne Atem: Studie bei Freedivern demonstriert die Wirkung

BY DR. GYMBRO ·

Kreatin ist bekannt dafür, dass es dir hilft, schwerer zu heben und schneller zu sprinten – aber kann es dich unterstützen, wenn du gar nicht atmest? Eine neue, doppelt‑blinde Studie an trainierten Freedivern zeigte, dass eine einwöchige Ladephase mit 20 g Kreatin pro Tag sowohl die Gesamtleistung als auch die Erschöpfungszeit bei einem Atem‑halt‑Radtest erhöhte. Überraschenderweise war das Blutlaktat in der Kreatin‑Gruppe trotz besserer Leistung niedriger als in der Placebo‑Gruppe. Hier erfährst du, was die Forscherinnen und Forscher gemacht haben, wer davon profitieren könnte und warum die kleine Stichprobe von 20 Tauchern deine Erwartungen dämpfen sollte.

A wide, editorial-style still life photographed from slightly above on a pale oat-colored linen surface, lit by soft morning window light from the left. In the center sits a small matte ceramic bowl holding a mound of fine white powder, with a minimalist wooden scoop resting beside it. Next to the bowl is an open amber glass supplement jar with a plain cream label, and a few white capsules spill across the linen in a loose arc.

To the right, a neatly arranged cluster of analog "study" objects suggests careful measurement: a vintage stopwatch with a clean white face, a slim notebook with a sage-green cover open to a hand-drawn bar chart (blurred, no legible text), and a mechanical pencil lying across the page. A small row of six identical ceramic dishes, each holding a pinch of powder, is lined up along the top edge of the frame to hint at the six-week trial. One dish is slightly out of alignment, a subtle visual cue for ambiguity.

A shallow glass of water and a single sprig of green eucalyptus add a calm, organic note in the foreground. Soft, long shadows fall across the textured linen, and the palette stays restrained: warm cream, soft sage, muted terracotta, pale gray, and touches of amber from the glass jar. A few translucent paper cutouts in two tones (sage and blush) overlap in the upper right corner as a modern graphic accent, evoking overlapping data points without showing any numbers.

Depth of field is shallow, with the bowl and stopwatch in crisp focus and the edges gently softened. The composition leaves generous negative space on the left third for title text overlay. The overall mood is thoughtful, balanced, and quietly skeptical, in the style of a contemporary wellness and science magazine: clean, tactile, minimal, with a subtle film-like grain and natural color grading. No people, no futuristic or sci-fi elements, no readable text or logos.
nutrition

GAA‑Gehirn‑Booster? Das Ergebnis der 6‑wöchigen Studie ist komplex

BY DR. GYMBRO ·

GAA, als Vorstufe von Kreatin beworbener Gehirn‑Booster, hat nun seinen ersten gründlichen Human‑Test erhalten. In einer sechs‑wöchigen, doppelblinden Studie mit 58 gesunden Erwachsenen zeigte es zwar leicht schnellere Reaktionszeiten und vereinzelte Anzeichen für Verbesserungen von Stimmung und Stress, aber die meisten kognitiven Tests blieben unverändert. Die Sicherheitswerte waren unbedenklich, allerdings handelte es sich um eine kleine, explorative Untersuchung ohne reine Kreatin‑Vergleichsgruppe. Diese Zusammenfassung erklärt, was die Ergebnisse tatsächlich bedeuten, für wen sie interessant sein könnten und warum das Fazit gemischt ausfällt.

A bright, minimalist flat-lay photograph of two supplement scoops on a pale warm-gray stone surface, shot from directly above in soft natural window light. On the left, a matte ceramic scoop holds fine white creatine monohydrate powder, heaped in a clean mound. On the right, a second scoop of the same shape holds slightly coarser off-white beta-alanine powder, with a small, deliberate gap between the two. Each scoop sits in its own soft shadow, which suggests separation rather than combination. Between them, a thin brushed-brass ruler or a single slim line of fine powder runs across the surface and subtly divides the composition.

Around the scoops, a few restrained props in a muted editorial palette of sage green, cream, terracotta, and soft charcoal: a small glass jar with a minimalist label that has no readable text, a folded linen napkin, a single sprig of eucalyptus, and a stainless-steel shaker bottle softly out of focus in the upper corner. A few loose powder grains are scattered naturally across the stone. A small stack of blank cream index cards with a pencil rests in the lower right, hinting at research and note-taking without any legible writing.

The composition follows a clean rule-of-thirds layout, with generous negative space on the right third for headline overlay. The lighting is gentle and diffused, with long, soft shadows falling to the lower left. The color grading is calm and slightly desaturated, with creamy highlights and a subtle film-like grain. The overall look is a modern wellness and science journal cover, with an airy, trustworthy, contemporary editorial feel, shallow depth of field, and crisp detail on the powders.
nutrition

Creatin + Beta‑Alanin: Der Bonus‑Stack, den die Forschung nicht bestätigt

BY DR. GYMBRO ·

Der Creatin‑Beta‑Alanin‑Stack gilt als Power‑Paar, doch eine aktuelle Netzwerk‑Meta‑Analyse von 52 randomisierten Studien zeigte keine synergistische Wirkung. Creatin verbesserte signifikant Sprint‑, Sprung‑, Wiederholungssprint‑ und Oberkörper‑Ausdauer, während Beta‑Alanin keinen zusätzlichen Nutzen brachte. Der Beitrag erklärt, wie die Analyse durchgeführt wurde, wo ihre Schwächen liegen und was das für Ihr Supplement‑Budget bedeutet.

A wide, editorial-style photograph of a volleyball player mid-landing from a jump on a sunlit indoor court, captured from a low side angle. The athlete's knee is slightly bent and the patellar tendon area is in sharp focus, with soft natural muscle definition and a light strip of kinesiology tape just below the kneecap. The polished honey-toned hardwood floor reflects warm window light, and the background falls away into a creamy blur of pale court lines and tall windows.

In the lower right foreground, slightly out of focus, a matte ceramic bowl holds a small mound of fine white creatine powder. A wooden scoop rests beside it, next to a clear glass of water and a folded white towel. This sits on a light oak bench at the edge of the court. A resistance band and a slanted decline board, used for eccentric rehab, lean softly against the wall behind the bench.

The palette is warm and natural: cream, soft white, honey oak, muted sage green accents from a gym bag, and a touch of terracotta from the athlete's sneakers. Light is golden-hour and diffused, with gentle shadows and a subtle film-grain finish. The composition follows the rule of thirds, with the athlete on the left and the supplement still life on the right. Negative space in the upper portion leaves room for a headline overlay.

The overall mood is calm, modern, and health-focused, like a contemporary wellness or sports-science journal cover. Shallow depth of field, a clean minimalist aesthetic, and true-to-life color. No text, no logos, no futuristic or digital elements.
recovery

Creatin bei Sprungknie? Schmerzlinderung bereits nach Woche 4

BY DR. GYMBRO ·

Sprungknie kann Sportler monatelang aus dem Training reißen. Eine neue Studie prüft, ob Creatin den Heilungsprozess beschleunigen kann. Bei 20 Athleten, die ein exzentrisches Reha‑Programm durchliefen, zeigte die Creatin‑Gruppe nach vier Wochen eine signifikante Verbesserung von Schmerzen und Funktion (VISA‑P) sowie eine höhere Sprunghöhe. Nach acht Wochen holten beide Gruppen gleichauf, der Unterschied blieb nur ein Trend (p = 0,099). Im Folgenden werden Studienaufbau, Dosierung, potenzielle Zielgruppen und die Limitationen der kleinen Stichprobe erläutert.

This page is available in