Dr. Gymbro
A wide, editorial still life photographed in soft natural window light on a pale oatmeal-colored linen surface. At the center sits a small, rustic ceramic dish holding a handful of dried golden-orange Rhodiola rosea root pieces and a few fresh, fleshy green-gray succulent rosettes with rosy-pink tips. Beside it, a single matte amber glass capsule bottle lies on its side, with two cream-colored capsules spilling out. On the left, a minimalist analog stopwatch with a brushed brass case rests slightly out of focus, its hands suggesting a duration just past the quarter-hour mark. On the right, a worn, chalk-dusted steel kettlebell handle and a folded charcoal gym towel fill the negative space, hinting at lifting without showing a full gym scene.

In the foreground, a neat row of seven tiny ceramic pill cups arranged in a gentle diagonal line, the first cup holding one capsule and the rest sitting empty, as a quiet visual metaphor for a single dose versus daily dosing. A sprig of dried alpine moss and a few small speckled pebbles add organic texture. The background is a softly blurred warm-gray plaster wall with a gentle gradient shadow cast by a window frame, creating diagonal light stripes across the scene.

The palette is muted and earthy: sage green, terracotta, warm cream, brushed brass, and soft charcoal, with one subtle pop of coral from the Rhodiola tips. Shallow depth of field, crisp focus on the root and capsules, and fine film-like grain. The composition leaves generous clean negative space in the upper left for a headline overlay. The overall feel is a modern wellness and science journal: calm, tactile, minimal, and sophisticated, with a slightly moody, high-end magazine look. There is no text, no people, and no futuristic elements.
Nutrition

200 mg Rhodiola gaben Ausdauersportlern 24 Sekunden extra – vier Wochen tägliche Einnahme brachten nichts

Dr. Gymbro · · 4 min read

Der Rhodiola‑Twist, den niemand auf das Etikett schreibt

Rhodiola rosea wird als Adaptogen vermarktet, das angeblich Müdigkeit bekämpft, die Konzentration schärft und die Ausdauer steigert. Die meisten Werbeaussagen gehen davon aus, dass die Effekte umso stärker werden, je länger man das Präparat einnimmt. Eine randomisierte, doppelblinde Studie im International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism zeigte jedoch etwas anderes: Eine Einzeldosis von 200 mg beeinflusste die Ausdauerleistung leicht, während vier Wochen tägliche Einnahme keinen zusätzlichen Nutzen lieferten.

Der Effekt war klein, und wir wollen ihn nicht beschönigen. Dennoch ist das Ergebnis eines der klarsten Findings zu Rhodiola und Sport und widerspricht dem gängigen Marketing‑Mantra „ein‑Monat‑Aufladen“.

Was die Forschenden tatsächlich dosierten

Das Team um Katrien De Bock und Peter Hespel testete einen standardisierten Extrakt: 200 mg Rhodiola rosea mit 3 % Rosavin und 1 % Salidrosid, gemischt mit 500 mg Stärke. Das Placebo bestand aus 700 mg reiner Stärke. Die Proband*innen nahmen die Kapsel eine Stunde vor dem Test ein.

Phase I war ein placebokontrollierter Crossover‑Versuch mit 24 jungen, gesunden Freiwilligen. Jeder absolvierte zwei Sitzungen – Rhodiola und Placebo – mit einer fünf‑tägigen Wash‑out‑Phase und umgekehrter Reihenfolge. Jede Sitzung umfasste zwei Tage:

  • Tag 1: Geschwindigkeit der Gliedmaßenbewegung (Finger‑Tapping), auditive und visuelle Reaktionszeit sowie anhaltende Aufmerksamkeit (FEPSY‑Vigilanztest).
  • Tag 2: Maximale isometrische Kniebeugekraft und ein Ausdauertest.

Phase I: Die Zahlen

Im Vergleich zum Placebo erhöhte die Einzeldosis die Zeit bis zur Erschöpfung von 16,8 ± 0,7 Minuten auf 17,2 ± 0,8 Minuten (p < 0,05). Das sind etwa 0,4 Minute bzw. rund 24 Sekunden, ein Zuwachs von ca. 2,4 %.

Die Gasaustausch‑Daten entwickelten sich in die gleiche Richtung:

  • VO2‑Peak: 50,9 → 52,9 ml·min⁻¹·kg⁻¹ (p < 0,05)
  • VCO2‑Peak: 60,0 → 63,5 ml·min⁻¹·kg⁻¹ (p < 0,05)
  • Lungenventilation: 115,9 → 124,8 L/min, ein Trend, der nicht signifikant war (p = 0,07)

Die Teilnehmenden hielten also etwas länger durch und erreichten ein leicht höheres maximales Sauerstoffaufkommen. Das Papier liefert keinen mechanistischen Erklärungsansatz, sodass jede Spekulation darüber, warum dies geschieht, rein hypothetisch bleibt.

Alle anderen Messwerte blieben unverändert. Isometrische Kniebeugekraft, Gliedmaßen‑Geschwindigkeit, Reaktionszeiten und anhaltende Aufmerksamkeit zeigten keinerlei Unterschied. Wer also auf schärfere Reflexe oder mehr Kraft hoffte, findet hier keine Bestätigung.

Phase II: Der Plot‑Twist

In Phase II durchliefen 12 Freiwillige dieselben Testabläufe, getrennt durch vier Wochen tägliche Einnahme von 200 mg Rhodiola oder Placebo. Die Frage lautete, ob eine chronische Anwendung zusätzliche Vorteile oder eine veränderte akute Reaktion bewirkt.

Sie tat es nicht. Die Autoren berichten, dass vier Wochen Rhodiola keine der gemessenen Variablen veränderten und dass die akute Reaktion durch den vorherigen Monat täglicher Einnahme nicht beeinflusst wurde. Langfristige Anwendung brachte keinen Extra‑Schub bei Ausdauer, Kraft, Reaktionszeit oder Aufmerksamkeit.

Die Schlussfolgerung ist knapp, aber eindeutig: Eine akute Dosis Rhodiola kann die Ausdauerkapazität junger, gesunder Freiwilliger leicht erhöhen, ein vierwöchiges Tagesregime jedoch keinen messbaren Zusatznutzen liefern.

Praktische Take‑aways

Wer könnte eine akute Dosis in Betracht ziehen? Freizeit‑Ausdauersportler*innen, die gerne experimentieren, könnten eine standardisierte 200‑mg‑Dosis etwa eine Stunde vor einer harten Einheit oder einem Zeitfahren probieren. Das ist das Protokoll, das den Effekt erzeugt hat – also das, was man replizieren sollte. Achten Sie dabei auf das Etikett: Der Extrakt sollte etwa 3 % Rosavin und 1 % Salidrosid enthalten, weil Rhodiola‑Produkte stark variieren.

Was nicht zu erwarten ist:

  • Ein großer Sprung. Ein Gewinn von 0,4 Minute bei einem 17‑Minuten‑Test ist ein kleiner Vorsprung. Für Wettkampfsportler*innen, die marginale Verbesserungen jagen, könnte er relevant sein, aber er wird das Training nicht revolutionieren.
  • Kumulative Vorteile. Laut dieser Studie führt die tägliche Einnahme über einen Monat zu keiner zusätzlichen Verbesserung über den akuten Effekt hinaus.
  • Kraft‑ oder kognitive Zuwächse. Kraft, Reaktionszeit und Aufmerksamkeit blieben unverändert.

Wenn Sie Rhodiola täglich einnehmen, weil Sie erwarten, dass sich ein Leistungs‑Vorteil „aufbaut“, liefert diese Studie keinerlei Unterstützung. Ein bedarfsorientierter Einsatz passt besser zur Evidenz und spart zudem Geld.

Grenzen, die Sie kennen sollten

Dies ist eine nützliche Studie, aber kein Endurteil.

  • Kleine Stichprobe. Phase I umfasste 24 Teilnehmende, Phase II nur 12. Damit könnte Phase II zu wenig Power gehabt haben, um kleine chronische Effekte zu entdecken. Ein Negativ‑Ergebnis in einer kleinen Gruppe beweist nicht das Nicht‑Vorhandensein eines Effekts.
  • Begrenzte Effektgröße. Der Gewinn war statistisch signifikant, aber praktisch klein, und es gibt keinen Hinweis darauf, dass er sich auf Rennergebnisse überträgt.
  • Nur junge, gesunde Freiwillige. Die Ergebnisse lassen sich nicht zwingend auf ältere Erwachsene, Elite‑Athlet*innen oder Personen übertragen, die Schlaf‑Entzug, Stress oder Krankheit ausgesetzt sind – genau die Zielgruppen, für die Rhodiola häufig beworben wird.
  • Eine Dosis, ein Extrakt. Es wurde ausschließlich 200 mg eines einzelnen standardisierten Extrakts getestet; andere Dosierungen oder Produkte könnten andere Wirkungen haben.
  • Einzelstudie. Ein Versuch aus dem Jahr 2004 muss repliziert werden, bevor er als gesichert gilt.

Fazit

Die Rhodiola‑Story ist weniger glamourös, als die Werbung suggeriert. Eine 200‑mg‑Dosis eine Stunde vor dem Training verbessert die Zeit bis zur Erschöpfung und das maximale Sauerstoffaufnahme‑Volumen bei jungen, gesunden Probanden leicht. Vier Wochen tägliche Einnahme bauen darauf nicht auf. Betrachten Sie Rhodiola eher als ein optionales, akutes Werkzeug mit kleinem Vorteil, nicht als ein Präparat, das man einen Monat lang „laden“ muss.

Original study

Read the original research on pubmed.ncbi.nlm.nih.gov →

This article summarizes published research for general information. It is not medical advice.

DG

Written by

Dr. Gymbro

Dr. Gymbro writes for Dr. Gymbro: science-backed fitness, nutrition & performance.

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