Astaxanthin erhöht nach 4‑tägiger Einnahme die Ausdauerzeit beim Radfahren von 72 auf 85 Minuten – Ergebnisse einer kleinen Studie
Vier Tage Einnahme eines roten Antioxidans und eine Gruppe junger Männer radelten etwa 13 Minuten länger unter konstanter, hoher Belastung. Das ist die Kernbotschaft einer randomisierten, placebokontrollierten Studie aus dem Jahr 2025, veröffentlicht in BMC Sports Science, Medicine & Rehabilitation. Untersucht wurde Astaxanthin, das Ketocarotinoid, das Lachs und Krill ihre charakteristische Farbe verleiht. Das Ergebnis wirkt beeindruckend, doch die Stichprobengröße ist klein – daher muss man genauer hinsehen.
Der Aufhänger: 72 Minuten vs. 85 Minuten
In der Studie betrug die durchschnittliche Zeit bis zur Erschöpfung (TTE) 85,41 ± 4,42 Minuten nach Astaxanthin‑Einnahme und 72,11 ± 2,24 Minuten nach Placebo – ein Unterschied von rund 13 Minuten bzw. ≈ 18 %. Trotz der geringen Stichprobe war die Statistik stark (p < 0,001, η²p = 0,71), was auf einen großen Effekt hindeutet.
Das Radfahren war alles andere als leicht: Die Teilnehmenden fuhren bei 75 % VO₂max, bis sie nicht mehr weiter konnten. Das ist eine harte, gleichbleibende Belastung – genau die Situation, in der kleine physiologische Vorteile sich in Minuten auf der Uhr zeigen können.
Dosis und Protokoll: Kurz, hoch und prägnant
Die Forschenden, angeführt von Tsao Jung‑Piao und Cheng I‑Shiung, rekrutierten zehn körperlich aktive Männer (Durchschnittsalter 22,5 Jahre). Das Design war randomisiert, placebokontrolliert und crossover, sodass jeder Proband mit sich selbst verglichen werden konnte. Die Teilnehmenden nahmen entweder ein Placebo oder 28 mg Astaxanthin pro Tag für 4 Tage ein. Die Erschöpfungsfahrt fand am vierten Tag statt.
Blut‑ und Atemgasanalyse‑Proben wurden vor, während und unmittelbar nach dem Training entnommen, um Muskel‑Schäden, Entzündungen, oxidativen Stress und Energieverbrauch zu beurteilen.
Die Dosis ist das wichtigste Detail: Viele frei verkäufliche Astaxanthin‑Softgels enthalten deutlich weniger pro Portion, und die üblichen Tagesdosierungen im Marketing liegen oft weit unter 28 mg. Wer dieses Protokoll zu Hause nachahmen will, muss die Etiketten genau prüfen. Mehrere Kapseln zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass die Bedingungen der Studie sicher oder äquivalent reproduziert werden, und die Studie liefert keinerlei Langzeitsicherheitsdaten. Der vier‑tägige Ladezeitraum ist zudem ungewöhnlich kurz für ein Mittel, das häufig über Wochen oder Monate eingenommen wird.
Muskel‑Schäden und oxidativer Stress: Was die Biomarker zeigten
Die Leistung war nicht die einzige Veränderung. Die Forschenden maßen Marker für trainingsinduzierte Gewebebelastung.
- Creatinkinase (CK) und Laktatdehydrogenase (LDH): Beide Enzyme steigen, wenn Muskelzellmembranen durch intensive Belastung beschädigt werden und die Enzyme ins Blut gelangen. Astaxanthin reduzierte diese Anstiege signifikant (p < 0,05). Eine signifikante Zeit × Behandlungs‑Interaktion für CK (p = 0,039, η²p = 0,217) deutet darauf hin, dass Astaxanthin den Muskelschaden abschwächte.
- Malondialdehyd (MDA): Dieser Marker für Lipidperoxidation stieg während und unmittelbar nach dem Training an. Astaxanthin hemmte diesen Anstieg deutlich (p < 0,05) – im Einklang mit seiner Reputation als starkes Antioxidans.
- Entzündungsmarker: Tumor‑nekrose‑Faktor‑α (TNF‑α) und C‑reaktives Protein (CRP) reagierten weder auf das Supplement noch auf die Belastung. Der Effekt scheint also auf oxidative‑ und Muskel‑Leakage‑Marker beschränkt zu sein, nicht auf eine breit wirkende anti‑entzündliche Wirkung.
- Substrat‑Utilisation: Der Energieverbrauch während und nach dem Training war in beiden Durchgängen ähnlich. Die längere Fahrt lässt sich daher nicht eindeutig durch einen vermehrten Fett‑ oder Kohlenhydratverbrauch erklären, sodass die Wirkungsmechanik weiterhin offen bleibt.
- Stimmung: Astaxanthin hatte keinen negativen Einfluss auf das Stimmungsprofil.
Warum das für Ausdauersportler interessant sein könnte
Die Autoren sehen Astaxanthin als potenzielles, ernährungsbedingtes ergogenes Hilfsmittel. Die Logik: Langanhaltende hochintensive Belastungen erzeugen reaktive Sauerstoffspezies, die Muskelfasermembranen schädigen und Ermüdung fördern können. Ein lipophiles Antioxidans, das in Zellmembranen sitzt, könnte theoretisch schützen. Die niedrigeren MDA‑, CK‑ und LDH‑Werte passen zu diesem Narrativ.
Die Daten beweisen die Geschichte jedoch nicht. Die Entzündungsmarker blieben unverändert und der Energieverbrauch änderte sich nicht, sodass der Weg vom Antioxidans‑Effekt zu 13 zusätzlichen Minuten nicht nachgewiesen ist. Antioxidantien können im Training zweischneidig wirken, weil bestimmte ROS‑Signale die Anpassung fördern. Diese Studie misst nur eine akute Belastung, nicht die langfristigen Trainingsadaptationen, und kann daher keine Aussage darüber treffen.
Praktische Fazits
- Vielversprechend, aber nicht abschließend. Eine deutliche Verbesserung der TTE mit begleitenden Biomarker‑Änderungen ist ermutigend für ein Kurzzeit‑Protokoll.
- Achten Sie auf die Dosis. Die Studie nutzte 28 mg/Tag – deutlich mehr als in vielen handelsüblichen Softgels. Vergleichen Sie das Etikett, bevor Sie von einer gleichen Exposition ausgehen.
- Kurzzeit‑Protokoll. Vier Tage stellen ein Lade‑Regime dar, das für die Vorbereitung auf ein einzelnes Event interessant sein könnte. Ob längerer Konsum mehr, weniger oder gleich wirkt, bleibt unbeantwortet.
- Erwartungen anpassen. Die Ergebnisse gelten für hartes Ausdauer‑Radfahren. Sie unterstützen keinerlei Aussagen zu Kraft, Muskelaufbau oder Körperzusammensetzung.
Einschränkungen, die Sie nicht übersehen sollten
Der größte Vorbehalt ist die Stichprobengröße: zehn Teilnehmende. Kleine Studien können große, aber instabile Effektgrößen liefern, und die sehr engen Standardabweichungen für die TTE sollten vorsichtig interpretiert werden, bis sie repliziert sind. Die Gruppe bestand zudem aus jungen, sportlich aktiven Männern, sodass die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf Frauen, ältere Personen oder Elite‑Ausdauersportler übertragbar sind. Es wurde nur ein Belastungsmodell getestet – eine einzelne Erschöpfungsfahrt bei 75 % VO₂max – und das Supplement lediglich vier Tage eingenommen.
Auch die Messgröße „Zeit bis zur Erschöpfung“ hat praktische Grenzen. Solche Tests sind stark von Motivation und Taktik abhängig und spiegeln nicht immer das Ergebnis eines echten Rennens oder Zeitfahrens wider. Größere, preregistrierte Replikationsstudien, die Frauen und trainierte Athleten einbeziehen, würden Klarheit darüber schaffen, wie weit sich diese Befunde erstrecken.
Fazit
Die Studie bringt Astaxanthin einen glaubwürdigen frühen Platz als kurzzeitiges Ausdauer‑Hilfsmittel – etwa 18 % längere Erschöpfungszeit und niedrigere Marker für Muskelschäden und Lipidperoxidation. Gleichzeitig bleibt zu bedenken, dass es sich um eine Zehn‑Personen‑Studie mit einer Dosis handelt, die über dem liegt, was viele Präparate liefern. Betrachten Sie die Ergebnisse als starken Anstoß für weiterführende Forschung, nicht als bewährtes Leistungs‑Protokoll.