Was, wenn der entscheidende Faktor für Ihren Fettabbau schon im Gewürzschrank steckt?
Eine kleine Studie aus dem Jahr 2025, veröffentlicht im Journal of the International Society of Sports Nutrition, untersuchte genau das. Männer, die Tabata‑Style‑Zirkel mit täglich 1,5 g Zimt kombinierten, verloren mehr Körperfett als Männer, die nur trainierten. Bevor Sie sich ein großes Tütchen Zimt bestellen, sollten Sie die Details kennen – und die nötigen Vorbehalte beachten.
Der Versuchsaufbau
Iranische Forschende rekrutierten 40 übergewichtige bzw. adipöse männliche Soldaten und teilten sie in vier Gruppen zu je etwa zehn Personen auf:
- Nur Tabata (T)
- Tabata + Zimt (T+S)
- Nur Zimt (S)
- Kontrollgruppe (C)
Die Intervention dauerte acht Wochen, jeweils drei Sitzungen pro Woche. Die Zimt‑Gruppen bekamen täglich 500 mg Kapseln, drei‑mal am Tag – also insgesamt 1,5 g, etwa ein halber Teelöffel. Die Forschenden maßen Körperzusammensetzung, Kraft‑Ausdauer‑Leistung (Liegestütze, Kniebeugen, Plank, Vertikalsprung), Nüchtern‑Blutzucker, Insulin, Leberwerte und Entzündungsmarker.
Der verwendete Tabata‑Zirkel
Das Protokoll folgte dem klassischen Tabata‑Timing: 20 Sekunden maximale Belastung, 10 Sekunden Pause. Der Zirkel bestand aus acht Übungen:
- Sprung‑Kniebeugen
- Rückenstrecker (Hyperextensions)
- Crunches
- Liegestütze
- Trizeps‑Dips
- Seitliche Crunches
- Medizinball‑Militär‑Press
- Klimmzüge
Ein typischer Tabata‑Block umfasst acht Runden à 20/10 s, also vier Minuten. Die vorliegende Zusammenfassung nennt nicht, wie viele Runden pro Übung durchgeführt wurden – wir gehen daher davon aus, dass das „vier‑Minuten‑Feeling“ dem eigentlichen Protokoll zugrunde liegt.
Die Ergebnisse in Zahlen
Körpergewicht, BMI und Körperfettanteil sanken in jeder Interventionsgruppe signifikant (p < 0,001), während die Kontrollgruppe unverändert blieb. Der größte Fettverlust kam aus der Kombinationsgruppe: ‑7,86 % Körperfett – deutlich mehr als bei Tabata allein (p = 0,013).
Weitere Befunde:
- Leistung: Liegestütze, Kniebeugen, Plank und Sprung verbesserten sich in beiden Trainingsgruppen, jedoch ohne signifikanten Unterschied zwischen Tabata und Tabata + Zimt. Zimt allein machte die Teilnehmenden nicht fitter.
- Metabolische Marker: Nüchtern‑Glukose, Insulin, HOMA‑IR und Leberwerte (SGOT, SGPT, GGT) fielen in allen Interventionsgruppen; die stärksten Reduktionen wurden in der Kombinationsgruppe beobachtet.
- Entzündung & Myokin‑Signalgebung: CRP und TNF‑α gingen zurück, während Adiponectin und Irisin in allen Interventionsgruppen anstiegen. Die Kombinationsgruppe zeigte die größten Änderungen im Vergleich zu allen anderen Gruppen (p < 0,05).
Eine sekundäre Auswertung der Datentabellen (veröffentlicht von Ergo‑Log) legt nahe, dass das reine Körpergewicht ein etwas anderes Bild liefert: Die rein trainierende Gruppe verlor rund 7 kg, die Kombinationsgruppe etwa 6 kg. Dennoch könnte die Kombinationsgruppe mehr Fett reduziert haben, während gleichzeitig Muskelmasse erhalten oder sogar aufgebaut wurde. Ich habe diese Zahlen nicht mit dem Originalpaper abgeglichen, sie gelten also als vorläufig. Sollte sich das bestätigen, erinnert es daran, dass die Körperzusammensetzung wichtiger ist als die Zahl auf der Waage.
Warum Zimt helfen könnte
Die Autorinnen und Autoren verweisen eher auf entzündungs‑ und myokinbezogene Signalwege als auf einen direkten Fettverbrennungseffekt. Chronische, niedriggradige Entzündungen – etwa erhöhte TNF‑α‑Konzentrationen – stehen im Zusammenhang mit Insulinresistenz und hartnäckiger Adipositas. Zimts Polyphenole sollen solche Entzündungswege dämpfen. Irisin, ein muskelabgeleitetes, hormonähnliches Molekül, wird mit der Braunfärbung von Fettgewebe und einem erhöhten Energieverbrauch in Verbindung gebracht. Beide Parameter bewegten sich in die gewünschte Richtung, am stärksten in der Kombinationsgruppe.
Insulin ist häufig das Schlagwort bei Zimt, aber hier dürfte es nicht der treibende Faktor sein. Glukose, Insulin und HOMA‑IR verbesserten sich in allen Interventionsgruppen, auch bei reinem Training. Das legt nahe, dass das Training den Großteil der metabolischen Arbeit leistete und Zimt einen zusätzlichen, anders wirkenden Nutzen bot. Dieser Befund ist spekulativ, weil die Studie nicht darauf ausgelegt war, den genauen Mechanismus zu beweisen.
Zimt allein ist kein Wundermittel
Die Zusammenfassung formuliert, dass Zimt die Effekte von Tabata potenziert habe – er ersetzt sie nicht. Die Kontrollgruppe zeigte keinerlei Veränderung, die Trainingsgruppen verbesserten die Fitness, und die Zimt‑nur‑Gruppe erreichte nicht die Ergebnisse der Kombination. Man sollte also sagen: „Training + Zimt kann das Training allein übertreffen“, nicht „Zimt schmilzt Fett“.
Ehrliche Einschränkungen
- Kleine Stichprobe: Etwa zehn Männer pro Gruppe reichen nicht für belastbare Schlussfolgerungen.
- Nur Soldaten: Eine kontrollierte, junge, rein männliche Population ist nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung.
- Unklare Blindung: Wenn die Teilnehmenden wussten, wer Zimt erhielt, könnten Erwartungseffekte das Ergebnis beeinflusst haben.
- Zimtsorte nicht spezifiziert: Produkt‑ und Extrakt‑Details sind für die Replikation wichtig.
- Ein Land, ein Versuch: Unabhängige Replikationen sind erforderlich.
Praktische Tipps
Dosierung: Die Studie verwendete 500 mg Zimt pro Mahlzeit, dreimal täglich (insgesamt 1,5 g). Das ist die einzige Dosis, die durch diese Arbeit gestützt wird – ein höherer Betrag ist nicht gerechtfertigt.
Ceylon vs. Cassia: Im Supermarkt findet man meist Cassia‑Zimt, der nennenswerte Mengen an Cumarin enthält – ein Stoff, der die Leber bei hoher Aufnahme belasten kann. Europäische Behörden setzen die tolerierbare Tagesdosis bei etwa 0,1 mg /kg Körpergewicht fest, und der Cumaringehalt von Cassia variiert stark zwischen den Produkten. Für den langfristigen, wöchentlichen Gebrauch ist Ceylon‑Zimt („echter“ Zimt) die sicherere Wahl, da er nur Spuren von Cumarin enthält – besonders relevant bei bestehenden Leberproblemen.
Für wen geeignet: Gesunde Erwachsene, die bereits strukturiertes, hochintensives Training durchführen und nach einer kostengünstigen Ergänzung suchen. Es ist kein Shortcut für Menschen, die das Training ausfallen lassen.
Wer vorher Rücksprache halten sollte: Personen, die Diabetes‑Medikamente, Blutverdünner einnehmen oder an Lebererkrankungen leiden, sollten vor der Einnahme den Arzt konsultieren. Anfänger sollten erst eine solide Trainingsbasis aufbauen, bevor sie sich an maximale Tabata‑Belastungen wagen.
Fazit
Die eigentliche Geschichte ist das Training. Acht Wochen Tabata‑Zirkel verbesserten Körperzusammensetzung, Fitness, Entzündungs‑ und Leberwerte. Zimt wirkte wie ein günstiger, plausibler Booster, der den Fettabbau in dieser kleinen Studie weiter vorantrieb. Es lohnt, das im Auge zu behalten – es ist jedoch noch nicht definitiv bewiesen.