Nature's eigene Lösung: 215 Millionen Hektar tropischer Fläche könnten von selbst zu Wald werden
Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in Nature, belegt, dass ein Gebiet von 215 Millionen Hektar – damit größer als Mexiko – das Potenzial für eine natürliche Waldregeneration in den Tropen weltweit besitzt. Diese Entdeckung bietet eine kostengünstige Alternative zu aufwendigen Baumpflanzprogrammen und könnte enorme Mengen Kohlenstoff binden, während die Artenvielfalt wiedererstarkt.
Die Kraft der natürlichen Regeneration
Die Forschung, geleitet von Renato Crouzeilles und einem internationalen Team, analysierte Waldmuster von 2000 bis 2016 und entwickelte ein hochauflösendes Modell, das vorhersagt, wo tropische Wälder von selbst zurückkehren können. Mit Satellitenbildern in 30‑Meter‑Auflösung kartierten die Wissenschaftler abgeholzte Flächen, die die notwendigen Umweltbedingungen für eine natürliche Wiederbesiedlung erfüllen.
"Natürliche Regeneration ist nicht nur günstiger als Baumpflanzungen, sie führt häufig zu biodiverseren Wäldern", schreiben die Autoren. Diese Erkenntnis stellt die verbreitete Annahme in Frage, dass aktive Aufforstung per Baumpflanzungen immer der beste Weg sei.
Riesiges Potenzial zur Kohlenstoffbindung
Die Studie schätzt, dass die natürlich regenerierenden Wälder innerhalb von 30 Jahren etwa 23,4 Gigatonnen Kohlenstoff binden könnten – ein Bereich von 21,1 bis 25,7 Gigatonnen. Zum Vergleich: Das entspricht einem bedeutenden Teil der CO₂‑Reduktionen, die nötig sind, um die globalen Klimaziele zu erreichen. Der größte Teil des Kohlenstoffs wird in der oberirdischen Biomasse gespeichert, während die Bäume wachsen und reifen.
Fünf Länder halten den Schlüssel
Fünf Nationen machen mehr als die Hälfte des Regenerationspotenzials aus: Brasilien, Indonesien, China, Mexiko und Kolumbien stehen zusammen für 52 % der identifizierten Flächen. Diese Konzentration unterstreicht, wie wichtig es ist, Wiederherstellungsinitiativen gezielt in diesen Ländern zu verankern und deren natürliche Regenerationsfähigkeit zu nutzen.
Brasilien führt das Feld an – nicht überraschend, wenn man die ausgedehnten Amazonas‑ und Atlantischen Regenwälder des Landes berücksichtigt, die stark von Abholzung betroffen sind. Indonesien folgt dicht dahinter; dort bieten die tropischen Inseln erhebliche Chancen für eine Waldregeneration.
Politische Implikationen und globale Wirkung
Die Ergebnisse haben weitreichende Folgen für die internationale Klimapolitik und Naturschutzstrategien. Anstatt ausschließlich auf teure Baumpflanzprogramme zu setzen, können Regierungen und Naturschutzorganisationen Gebiete identifizieren, in denen reiner Schutz vor weiterer Störung den Wald von selbst zurückkehren lässt.
Die Forschung liefert einen klaren Fahrplan, um nationale und globale Umweltverpflichtungen zu erfüllen – etwa die Ziele des Pariser Klimaabkommens und der UN‑Nachhaltigkeitsziele. Durch die Nutzung des Potenzials natürlicher Regeneration können Länder Wiederherstellungsziele effizienter erreichen und gleichzeitig höhere Biodiversitätsgewinne erzielen.
Die 30‑Meter‑Auflösung der Kartierung ermöglicht zudem präzise Entscheidungen auf lokaler Ebene, sodass Politiker konkrete Flächen erkennen können, in denen natürliche Regeneration am erfolgversprechendsten ist. Dieser differenzierte Ansatz könnte die Art und Weise, wie wir weltweit über Waldrestaurierung und Kohlenstoffbindung denken, grundlegend verändern.